Therapiemöglichkeiten für Erwachsene
Dysphonie (Stimmstörung)
Wenn die Stimme nicht mehr zuverlässig funktioniert
Die Stimme begleitet uns jeden Tag – beim Sprechen, Lachen, Singen oder Telefonieren. Für viele Menschen ist sie außerdem ein wichtiges Werkzeug im Beruf. Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Therapeutinnen und Therapeuten, Sängerinnen und Sänger sowie viele weitere Berufsgruppen sind täglich auf eine belastbare Stimme angewiesen.
Verändert sich die Stimme, wird sie heiser, kraftlos oder ermüdet sie schnell, kann dies den Alltag erheblich beeinträchtigen.
Unter dem Begriff Dysphonie versteht man eine Stimmstörung. Sie kann dazu führen, dass die Stimme heiser klingt, weniger belastbar ist, schneller ermüdet oder nur mit größerer Anstrengung eingesetzt werden kann.
Je nach Ursache unterscheidet man zwischen funktionellen und organischen Dysphonien. Beide Formen können die Kommunikationsfähigkeit und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen und sollten ärztlich sowie logopädisch abgeklärt werden.
Kurz erklärt
Eine Stimmstörung bedeutet nicht nur Heiserkeit.
Sie kann sich ganz unterschiedlich bemerkbar machen:
- die Stimme klingt rau oder heiser,
- sie wird im Tagesverlauf immer schwächer,
- längeres Sprechen fällt schwer,
- die Stimme bricht weg,
- es besteht ein Enge- oder Kloßgefühl im Hals,
- Sprechen verursacht Schmerzen oder Anstrengung,
- hohe oder tiefe Töne gelingen nicht mehr wie gewohnt.
Viele Betroffene entwickeln unbewusst Ausweichstrategien oder vermeiden längere Gespräche, weil das Sprechen zunehmend anstrengend wird.
Funktionelle und organische Dysphonien
Funktionelle Dysphonie
Bei einer funktionellen Dysphonie liegt keine strukturelle Veränderung der Stimmlippen zugrunde. Die Beschwerden entstehen vielmehr durch ein Ungleichgewicht beim Zusammenspiel von Atmung, Körperhaltung, Muskelspannung und Stimme.
Mögliche Ursachen können beispielsweise sein:
- hohe stimmliche Belastung,
- ungünstige Stimmgewohnheiten,
- dauerhaft erhöhte Muskelspannung,
- Stress,
- unzureichende Atemtechnik,
- fehlende stimmliche Regeneration.
Eine funktionelle Dysphonie kann sowohl Menschen mit Sprechberufen als auch Personen betreffen, die ihre Stimme im Alltag stark beanspruchen.
Organische Dysphonie
Bei einer organischen Dysphonie liegen Veränderungen im Bereich des Kehlkopfes oder der Stimmlippen vor.
Mögliche Ursachen können beispielsweise sein:
- Stimmlippenknötchen,
- Stimmlippenpolypen,
- Entzündungen,
- Lähmungen der Stimmlippen,
- Veränderungen nach Operationen,
- gutartige oder bösartige Veränderungen im Kehlkopfbereich,
- neurologische Erkrankungen.
Die genaue Ursache wird in der Regel durch eine HNO-ärztliche Untersuchung abgeklärt. Die logopädische Therapie erfolgt anschließend in enger Abstimmung mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten.
Mögliche Symptome
Stimmstörungen können sich sehr unterschiedlich äußern.
Mögliche Beschwerden sind unter anderem:
- Heiserkeit,
- raue Stimme,
- behauchte Stimme,
- verminderte Belastbarkeit,
- schnelle Ermüdung beim Sprechen,
- häufiges Räuspern,
- Kloßgefühl im Hals,
- Engegefühl beim Sprechen,
- Schmerzen im Kehlkopfbereich,
- eingeschränkter Stimmumfang,
- Stimmabbrüche,
- eingeschränkte Lautstärke.
Nicht jede Heiserkeit ist behandlungsbedürftig. Halten Beschwerden jedoch länger an oder treten sie wiederholt auf, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Wann sollte eine Heiserkeit ärztlich abgeklärt werden?
Eine Heiserkeit, die länger als zwei bis drei Wochen anhält, sollte grundsätzlich HNO-ärztlich untersucht werden.
Auch folgende Beschwerden sollten zeitnah abgeklärt werden:
- plötzlich auftretende Stimmveränderungen,
- starke Schmerzen beim Sprechen,
- Atembeschwerden,
- blutiger Auswurf,
- anhaltende Schluckbeschwerden,
- vollständiger Stimmverlust ohne erkennbare Ursache.
Nach der ärztlichen Diagnostik kann beurteilt werden, ob eine logopädische Behandlung sinnvoll ist.
Diagnostik in unserer Praxis
Jede Stimme ist individuell. Deshalb beginnt die Therapie mit einer ausführlichen Diagnostik.
Neben einem Anamnesegespräch betrachten wir unter anderem:
- den stimmlichen Alltag,
- die berufliche Belastung,
- das Atemverhalten,
- die Körperhaltung,
- Muskelspannung im Schulter-, Nacken- und Kehlkopfbereich,
- Resonanz,
- Artikulation,
- Stimmqualität,
- Stimmumfang und Belastbarkeit.
Vorliegende HNO-ärztliche Befunde beziehen wir selbstverständlich in unsere Diagnostik und Therapieplanung ein.
Therapie bei Stimmstörungen
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Stimmstörung sowie den persönlichen Anforderungen an die Stimme.
Gemeinsam entwickeln wir einen individuellen Therapieplan mit dem Ziel, die Stimme möglichst ökonomisch, belastbar und alltagstauglich einzusetzen.
Je nach individueller Situation können Bestandteile der Therapie unter anderem sein:
- Verbesserung der Atem-Stimm-Koordination,
- Optimierung der Stimmgebung,
- Reduktion ungünstiger Spannungsmuster,
- Förderung einer physiologischen Körperhaltung,
- Wahrnehmungsschulung,
- Übertragung der Therapieinhalte in den beruflichen und privaten Alltag.
Unterstützende Therapiemöglichkeiten
Je nach Befund und therapeutischer Zielsetzung können ergänzend verschiedene unterstützende Verfahren eingesetzt werden.
In unserer Praxis stehen hierfür unter anderem folgende Möglichkeiten zur Verfügung:
VocaSTIM®
Mit dem VocaSTIM®-Reizstromsystem der Firma PHYSIOMED können – je nach ärztlicher Indikation und therapeutischer Zielsetzung – ausgewählte Behandlungsmaßnahmen unterstützt werden. Der Einsatz erfolgt ausschließlich nach individueller Befundung und als Bestandteil eines logopädischen Gesamtkonzeptes.
NOVAFON®
Das NOVAFON® arbeitet mit lokalen Vibrationen und kann – je nach Befund – ergänzend in die logopädische Therapie integriert werden. Ziel kann unter anderem sein, Muskelspannung zu beeinflussen, die Körperwahrnehmung zu unterstützen oder die Behandlung funktionell zu ergänzen.
Ob und in welchem Umfang diese Verfahren sinnvoll sind, wird stets individuell entschieden. Sie ersetzen keine logopädische Therapie, sondern können diese in geeigneten Fällen ergänzen.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Bei Stimmstörungen arbeiten wir eng mit den behandelnden HNO-Ärztinnen und HNO-Ärzten sowie – je nach Fragestellung – weiteren Fachrichtungen zusammen.
Durch den fachlichen Austausch können Diagnostik, ärztliche Behandlung und logopädische Therapie optimal aufeinander abgestimmt werden.
Auch Angehörige beziehen wir bei Bedarf beratend ein und unterstützen unsere Patientinnen und Patienten dabei, die erarbeiteten Strategien nachhaltig in ihren Alltag und – insbesondere bei Sprechberufen – in ihren Berufsalltag zu übertragen.
Leben mit einer Stimmstörung
Die Stimme begleitet uns durch den gesamten Tag. Oft nehmen wir sie erst dann bewusst wahr, wenn sie nicht mehr zuverlässig funktioniert.
Für viele Betroffene beginnt eine Stimmstörung schleichend. Die Stimme klingt morgens noch normal, wird im Laufe des Tages jedoch zunehmend heiser oder kraftlos. Andere berichten, dass längere Gespräche anstrengend werden, die Stimme häufig versagt oder nach einem Arbeitstag kaum noch belastbar ist.
Gerade Menschen, die beruflich viel sprechen, erleben eine Stimmstörung häufig als erhebliche Einschränkung. Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Therapeutinnen und Therapeuten, Mitarbeitende in Telefonzentralen oder Menschen in beratenden Berufen sind täglich auf eine funktionierende Stimme angewiesen.
Unser Ziel ist es, gemeinsam mit Ihnen herauszufinden, welche Faktoren Ihre Stimme beeinflussen und wie sie möglichst ökonomisch und belastbar eingesetzt werden kann.
Die Stimme ist mehr als nur der Kehlkopf
Eine gesunde Stimme entsteht nicht allein an den Stimmlippen.
Sie ist das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels von:
- Atmung,
- Körperhaltung,
- Muskelspannung,
- Resonanz,
- Artikulation,
- Stimmgebung,
- Hörwahrnehmung.
Bereits kleine Veränderungen in einem dieser Bereiche können Auswirkungen auf die Stimme haben.
Deshalb betrachten wir in der Therapie nicht nur den Kehlkopf, sondern den gesamten Menschen.
Unsere Therapie orientiert sich an Ihrem Alltag
Nicht jede Patientin und jeder Patient stellt dieselben Anforderungen an die Stimme.
Während eine Lehrerin mehrere Stunden täglich spricht, benötigt eine Sängerin einen großen Stimmumfang. Andere möchten wieder problemlos mit ihrer Familie sprechen oder Telefonate führen können.
Deshalb entwickeln wir gemeinsam Therapieziele, die zu Ihrer persönlichen Lebenssituation passen.
Mögliche Ziele können beispielsweise sein:
- längere Gespräche wieder ohne Ermüdung führen,
- eine belastbare Stimme im Berufsalltag entwickeln,
- Heiserkeit reduzieren,
- einen ökonomischen Stimmeinsatz erlernen,
- Räusperzwang verringern,
- Schmerzen beim Sprechen reduzieren,
- die stimmliche Belastbarkeit nach Operationen oder Erkrankungen verbessern.
Unterstützende Therapiemöglichkeiten
Die Grundlage jeder Behandlung bildet die individuell abgestimmte logopädische Therapie.
Je nach Befund können ergänzend unterstützende Verfahren sinnvoll sein.
VocaSTIM®
In unserer Praxis steht ein VocaSTIM®-Reizstromsystem der Firma PHYSIOMED zur Verfügung.
Der therapeutische Reizstrom kann – je nach ärztlicher Diagnose und individuellem Befund – ergänzend eingesetzt werden. Ziel ist es, ausgewählte therapeutische Maßnahmen zu unterstützen und die logopädische Behandlung sinnvoll zu ergänzen.
Ob ein Einsatz angezeigt ist, entscheiden wir immer auf Grundlage der Diagnostik und der individuellen Therapiezielsetzung.
NOVAFON®
Ergänzend kann in geeigneten Fällen auch das NOVAFON® eingesetzt werden.
Die lokalen Vibrationen können – je nach Befund – beispielsweise dazu beitragen,
- die Körperwahrnehmung zu fördern,
- Muskelspannung positiv zu beeinflussen,
- die Wahrnehmung der Stimmgebung zu unterstützen,
- therapeutische Übungen zu begleiten.
Auch hier gilt: Der Einsatz erfolgt ausschließlich individuell und ersetzt niemals die logopädische Therapie, sondern kann sie sinnvoll ergänzen.
Stimmhygiene – Was können Sie selbst tun?
Eine gesunde Stimme profitiert von einem bewussten Umgang im Alltag. Bereits kleine Veränderungen können dazu beitragen, die Stimme zu entlasten.
Je nach individueller Situation empfehlen wir unter anderem:
- ausreichend trinken,
- regelmäßige Stimmpausen einplanen,
- nicht gegen Lärm ansprechen,
- dauerhaftes Räuspern möglichst vermeiden,
- bei Infekten die Stimme schonen,
- auf eine gute Raumluft achten,
- auf Rauchen möglichst verzichten,
- die Stimme nicht flüstern – Flüstern kann die Stimme zusätzlich belasten.
Welche Maßnahmen für Sie sinnvoll sind, besprechen wir individuell im Rahmen der Therapie.
Beruf und Stimme
Für viele Menschen ist die Stimme das wichtigste Arbeitsinstrument.
Eine Stimmstörung kann deshalb nicht nur körperlich belastend sein, sondern auch Auswirkungen auf Beruf, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität haben.
Besonders häufig behandeln wir Menschen aus Sprechberufen, beispielsweise:
- Lehrkräfte,
- Erzieherinnen und Erzieher,
- Therapeutinnen und Therapeuten,
- Mitarbeitende im Gesundheitswesen,
- Mitarbeitende mit hoher telefonischer Belastung,
- Personen mit regelmäßigem Vortrags- oder Beratungsbedarf.
Gemeinsam entwickeln wir Strategien, die sich direkt in den Berufsalltag übertragen lassen und helfen, die Stimme langfristig zu entlasten.
Häufig gestellte Fragen
Ist Heiserkeit immer harmlos?
Nein. Eine Heiserkeit, die länger als zwei bis drei Wochen anhält, sollte HNO-ärztlich abgeklärt werden.
Kann Logopädie bei einer Stimmstörung helfen?
Ob eine logopädische Therapie sinnvoll ist, hängt von der Ursache der Beschwerden ab. Nach einer HNO-ärztlichen Diagnostik kann gemeinsam entschieden werden, welche therapeutischen Maßnahmen geeignet sind.
Muss ich meine Stimme während der Therapie vollständig schonen?
Nicht unbedingt. Ziel der Therapie ist in den meisten Fällen nicht, möglichst wenig zu sprechen, sondern die Stimme möglichst ökonomisch und belastbar einzusetzen. Welche Empfehlungen für Sie gelten, richtet sich nach Ihrem individuellen Befund.
Werden technische Geräte bei jeder Behandlung eingesetzt?
Nein. Verfahren wie VocaSTIM® oder NOVAFON® kommen nur dann zum Einsatz, wenn sie aufgrund des individuellen Befundes sinnvoll erscheinen. Sie ergänzen die logopädische Therapie und ersetzen sie nicht.
Wie lange dauert eine Stimmtherapie?
Die Dauer der Therapie ist individuell unterschiedlich. Sie richtet sich unter anderem nach der Ursache der Stimmstörung, dem Therapieziel und dem persönlichen Therapieverlauf.
Unser Qualitätsversprechen
Eine erfolgreiche Stimmtherapie basiert aus unserer Sicht auf einer sorgfältigen Diagnostik, einer individuell abgestimmten Therapie und einer engen Zusammenarbeit mit den behandelnden HNO-Ärztinnen und HNO-Ärzten.
Dabei verbinden wir wissenschaftlich fundierte Therapieansätze mit einer ganzheitlichen Betrachtung Ihrer persönlichen Lebenssituation.
Unser Ziel ist es, Ihre Stimme nicht nur während der Therapie zu verbessern, sondern gemeinsam Strategien zu entwickeln, die Sie langfristig in Ihrem beruflichen und privaten Alltag unterstützen.
Quellen und fachliche Grundlagen
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Untersuchung oder individuelle therapeutische Beratung.
Unsere Inhalte orientieren sich unter anderem an:
- den Heilmittel-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA),
- den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie,
- aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Diagnostik und Therapie von Stimmstörungen,
- evidenzbasierten logopädischen Therapieansätzen sowie aktueller Fachliteratur.
Aphasie – Wenn Sprache plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist
Kurz erklärt
Plötzlich fehlen Wörter. Gespräche werden anstrengend. Sätze gelingen nicht mehr wie gewohnt oder Gesprochenes lässt sich nur schwer verstehen. Für viele Betroffene und ihre Angehörigen ist dies ein einschneidendes Erlebnis.
Eine Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die infolge einer Schädigung bestimmter Hirnareale entsteht. Sie betrifft die Sprache selbst – also das Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben – und kann den Alltag erheblich beeinflussen. Die geistigen Fähigkeiten bleiben dabei häufig erhalten. Viele Menschen mit Aphasie wissen genau, was sie ausdrücken möchten, können ihre Gedanken jedoch nicht wie gewohnt in Worte fassen.
Die Ausprägung einer Aphasie ist sehr unterschiedlich. Manche Betroffene haben vor allem Schwierigkeiten, passende Wörter zu finden, andere verstehen gesprochene Sprache nur eingeschränkt oder können kaum noch zusammenhängend sprechen. Welche Bereiche betroffen sind, hängt unter anderem davon ab, welche Hirnregion geschädigt wurde und wie groß die Schädigung ist.
Eine frühzeitige logopädische Diagnostik und individuell angepasste Therapie können dabei helfen, vorhandene sprachliche Fähigkeiten zu fördern, Kommunikationsmöglichkeiten zu erweitern und den Alltag zu erleichtern.
Was ist eine Aphasie?
Der Begriff Aphasie stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß „ohne Sprache“. Gemeint ist jedoch nicht, dass ein Mensch gar nicht mehr sprechen kann. Vielmehr handelt es sich um eine erworbene Störung der Sprache nach einer Schädigung des Gehirns.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer Sprachstörung und einer Sprechstörung:
- Bei einer Sprachstörung (Aphasie) ist die Verarbeitung von Sprache beeinträchtigt. Betroffen sein können das Verstehen, das Formulieren von Sätzen, das Finden von Wörtern sowie das Lesen und Schreiben.
- Bei einer Sprechstörung – beispielsweise einer Dysarthrie – liegt das Problem vor allem in der motorischen Umsetzung der Sprache. Die Sprachplanung ist dabei grundsätzlich erhalten.
Eine Aphasie tritt meist plötzlich auf, beispielsweise nach einem Schlaganfall. Sie kann jedoch auch im Zusammenhang mit anderen neurologischen Erkrankungen oder Hirnverletzungen auftreten.
Die Schwere reicht von leichten Wortfindungsstörungen bis hin zu einer ausgeprägten Einschränkung der sprachlichen Kommunikation.
Sprache besteht aus mehreren Bereichen
Um eine Aphasie besser zu verstehen, hilft ein Blick auf die verschiedenen sprachlichen Fähigkeiten, die unser Gehirn täglich verarbeitet.
| Sprachbereich | Beispiel im Alltag |
|---|---|
| Sprachverständnis | Ein Gespräch verstehen oder einer Anweisung folgen |
| Wortfindung | Den richtigen Begriff spontan finden |
| Satzbildung | Wörter grammatikalisch richtig verbinden |
| Sprechen | Gedanken flüssig ausdrücken |
| Lesen | Zeitung oder Nachrichten lesen |
| Schreiben | Eine Nachricht oder Einkaufsliste verfassen |
Je nach Art der Aphasie können einzelne oder mehrere dieser Bereiche unterschiedlich stark betroffen sein.
Aphasie bedeutet nicht Verlust der Intelligenz
Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Menschen mit Aphasie geistig weniger leistungsfähig seien.
Das trifft in vielen Fällen nicht zu.
Viele Betroffene denken, erinnern sich und treffen Entscheidungen genauso wie vor der Erkrankung. Die Schwierigkeit besteht darin, Gedanken sprachlich auszudrücken oder Sprache zu verstehen.
Gerade deshalb erleben viele Menschen mit Aphasie ihre Situation als besonders belastend. Sie merken häufig sehr genau, dass das gewünschte Wort „im Kopf vorhanden“ ist, können es jedoch nicht abrufen. Dieses Erleben führt nicht selten zu Frustration, Unsicherheit oder dem Gefühl, missverstanden zu werden.
Für Angehörige ist es hilfreich zu wissen, dass eine langsamere Kommunikation nicht bedeutet, dass der Betroffene weniger versteht oder weniger zu sagen hat. Geduld, ausreichend Zeit und eine wertschätzende Gesprächsführung können wesentlich dazu beitragen, die Kommunikation zu erleichtern.
Welche Sprachbereiche können betroffen sein?
Eine Aphasie kann sich sehr unterschiedlich äußern. Häufig sind mehrere Bereiche gleichzeitig betroffen.
Sprachverständnis
Manche Betroffene verstehen einzelne Wörter gut, längere oder komplexere Sätze jedoch nur eingeschränkt. Besonders in lauter Umgebung oder bei schnellen Gesprächen kann das Verstehen zusätzlich erschwert sein.
Wortfindung
Viele Menschen mit Aphasie berichten, dass ihnen Wörter „auf der Zunge liegen“, sie diese aber nicht aussprechen können. Statt des gesuchten Wortes werden Umschreibungen oder ähnliche Begriffe verwendet.
Beispiel:
„Kannst du mir bitte das … äh … das Ding zum Schreiben geben?“
statt
„Kannst du mir bitte den Kugelschreiber geben?“
Satzbildung
Sätze können verkürzt, grammatikalisch verändert oder unvollständig sein. Je nach Form der Aphasie kann die Sprache angestrengt und stockend oder flüssig, aber inhaltlich schwer verständlich wirken.
Lesen und Schreiben
Auch geschriebene Sprache kann betroffen sein. Manche Menschen können Zeitungsartikel nicht mehr verstehen oder haben Schwierigkeiten, kurze Nachrichten zu verfassen.
Dysarthrie
Dysarthrie ist eine Störung der Aussprache. Es können dabei sowohl die Steuerung als auch die Ausführung der Sprechbewegungen eingeschränkt sein. Bei der Dysarthrie sind bestimmte Muskeln und Organe im Mund- und Halsbereich geschädigt oder es ist deren nervliche Versorgung gestört. Dies kann alle am Sprechen und der Stimmgebung beteiligten Organe betreffen, also Lippen, Zunge, Kiefer, Gaumensegel und Kehlkopf.
Mögliche Merkmale sind undeutliche, verwaschene Aussprache, heisere, verhauchte, leise Stimme sowie Atemprobleme. Die Ursachen für die Störung sind hirnorganische Erkrankungen, z.B. Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Schlaganfall oder Folgen einer Hirnverletzung.
Dysphagie – Mögliche Symptome
Mögliche Symptome einer Schluckstörung
Eine Schluckstörung kann sich sehr unterschiedlich äußern. Manche Beschwerden treten nur gelegentlich auf, andere begleiten Betroffene bei nahezu jeder Mahlzeit. Nicht jede Person zeigt dieselben Anzeichen. Art und Ausprägung hängen unter anderem von der Ursache und dem Schweregrad der Schluckstörung ab.
Mögliche Hinweise auf eine Dysphagie können sein:
- häufiges Verschlucken beim Essen oder Trinken,
- Husten oder Räuspern während oder nach dem Schlucken,
- das Gefühl, dass Speisen oder Getränke „stecken bleiben“,
- verlängerte Essenszeiten,
- Schwierigkeiten beim Kauen,
- unvollständiges Abschlucken von Nahrung,
- Nahrungsreste im Mund nach dem Schlucken,
- Speichel läuft aus dem Mund oder kann nur schwer kontrolliert werden,
- gurgelige oder „feuchte“ Stimme nach dem Essen oder Trinken,
- wiederkehrende Atemwegsinfektionen oder Lungenentzündungen,
- unbeabsichtigter Gewichtsverlust,
- Angst vor dem Essen oder Trinken.
Nicht jede Schluckstörung geht mit Husten einher. In manchen Fällen gelangen Speisen oder Flüssigkeiten unbemerkt in die Atemwege. Fachleute sprechen hierbei von einer stillen Aspiration. Gerade deshalb ist eine sorgfältige Diagnostik besonders wichtig.
Welche Folgen kann eine Schluckstörung haben?
Schluckstörungen betreffen weit mehr als die reine Nahrungsaufnahme. Sie können Auswirkungen auf Gesundheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität haben.
Mögliche Folgen sind beispielsweise:
Verminderte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme
Wenn Essen oder Trinken anstrengend oder mit Unsicherheit verbunden ist, nehmen manche Betroffene unbewusst weniger Nahrung oder Flüssigkeit zu sich. Langfristig kann dies zu einer Mangelernährung oder Dehydratation führen.
Erhöhtes Aspirationsrisiko
Gelangen Speisen, Getränke oder Speichel in die Atemwege, kann dies das Risiko für Atemwegsinfektionen oder eine Aspirationspneumonie erhöhen.
Einschränkungen im sozialen Leben
Gemeinsame Mahlzeiten sind für viele Menschen ein wichtiger Bestandteil des Alltags. Schluckstörungen können dazu führen, dass Betroffene Einladungen vermeiden oder sich beim Essen in Gesellschaft unsicher fühlen.
Psychische Belastung
Die Sorge, sich zu verschlucken oder in der Öffentlichkeit unangenehm aufzufallen, kann belastend sein und zu einem Rückzug aus sozialen Situationen führen.
Wann sollte eine Schluckstörung abgeklärt werden?
Eine ärztliche und logopädische Abklärung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn nach einer neurologischen Erkrankung oder einer Operation im Kopf-Hals-Bereich neue Schluckbeschwerden auftreten.
Auch bei folgenden Anzeichen sollte eine Untersuchung erfolgen:
- wiederholtes Verschlucken,
- häufiges Husten während der Mahlzeiten,
- unerklärlicher Gewichtsverlust,
- wiederkehrende Lungenentzündungen,
- Schwierigkeiten bei der Einnahme von Medikamenten,
- Veränderungen der Stimme nach dem Schlucken,
- länger andauernde Beschwerden beim Essen oder Trinken.
Je früher eine Schluckstörung erkannt wird, desto gezielter können geeignete diagnostische und therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden.
Warnzeichen – Wann sollte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden?
Schluckbeschwerden sollten grundsätzlich ärztlich abgeklärt werden. Treten sie jedoch plötzlich auf oder werden von weiteren neurologischen Symptomen begleitet, kann dies auf einen medizinischen Notfall hinweisen.
Bitte zögern Sie in diesen Fällen nicht und wählen Sie den Notruf 112 oder suchen Sie umgehend eine Notaufnahme auf.
Warnzeichen können beispielsweise sein:
- plötzlich auftretende Schluckstörungen,
- neu aufgetretene Sprach- oder Sprechstörungen,
- Lähmungserscheinungen im Gesicht, Arm oder Bein,
- herabhängender Mundwinkel,
- plötzlich auftretende Taubheitsgefühle,
- starke Gleichgewichtsstörungen,
- plötzliche Sehstörungen,
- akute Verwirrtheit,
- starke Kopfschmerzen unbekannter Ursache.
Diese Beschwerden können unter anderem auf einen Schlaganfall hinweisen und sollten unverzüglich ärztlich abgeklärt werden.
Wie wird eine Schluckstörung diagnostiziert?
Jede Schluckstörung ist unterschiedlich. Deshalb steht am Anfang der Behandlung eine umfassende Diagnostik.
Unser Ziel ist es, die Ursachen und Auswirkungen der Schluckstörung möglichst genau zu erfassen, potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen und gemeinsam mit Ihnen einen individuellen Therapieplan zu entwickeln.
Dabei betrachten wir nicht nur den eigentlichen Schluckvorgang, sondern auch Ihre persönliche Lebenssituation, Ihre Essgewohnheiten und Ihre individuellen Ziele.
Ausführliches Erstgespräch
Zu Beginn nehmen wir uns Zeit für ein persönliches Gespräch.
Dabei interessieren uns unter anderem:
- Wann sind die Beschwerden erstmals aufgetreten?
- Bei welchen Speisen oder Getränken treten Probleme auf?
- Gibt es Husten oder Räuspern während der Mahlzeiten?
- Hat sich das Körpergewicht verändert?
- Liegen bereits ärztliche Befunde vor?
- Bestehen neurologische oder andere Grunderkrankungen?
- Welche Medikamente werden eingenommen?
- Welche Ziele sind Ihnen persönlich wichtig?
Falls bereits Krankenhausberichte, FEES-Befunde, Berichte einer videofluoroskopischen Schluckuntersuchung (VFSS) oder andere medizinische Unterlagen vorliegen, beziehen wir diese selbstverständlich in unsere Diagnostik ein.
Klinische Schluckdiagnostik
Im Anschluss erfolgt eine logopädische Untersuchung der am Schlucken beteiligten Funktionen.
Je nach Fragestellung beurteilen wir unter anderem:
- Beweglichkeit und Kraft von Lippen, Zunge, Wangen und Gaumensegel,
- Sensibilität im Mund- und Rachenraum,
- Speichelmanagement,
- Atem- und Stimmfunktion,
- Hustenkraft,
- Körperhaltung beim Essen und Trinken,
- Schluckabläufe bei unterschiedlichen Konsistenzen.
Die Untersuchung erfolgt individuell und orientiert sich an Ihrer gesundheitlichen Situation.
Apparative Diagnostik
Nicht jede Schluckstörung lässt sich allein durch die klinische Untersuchung vollständig beurteilen.
Je nach Fragestellung können deshalb weiterführende Untersuchungen sinnvoll sein.
Hierzu gehören insbesondere:
Fiberendoskopische Evaluation des Schluckens (FEES)
Die FEES ermöglicht eine direkte Beurteilung des Schluckvorgangs im Rachen- und Kehlkopfbereich.
Sie liefert unter anderem wichtige Informationen über:
- Schlucksicherheit,
- Aspirationsrisiko,
- Schluckrückstände,
- Wirksamkeit therapeutischer Maßnahmen,
- geeignete Nahrungskonsistenzen.
Wir begleiten unsere Patientinnen und Patienten – sofern gewünscht und organisatorisch möglich – zu dieser Untersuchung. Der unmittelbare Austausch mit den untersuchenden Ärztinnen und Ärzten ermöglicht es, die Ergebnisse direkt in unsere Therapieplanung einzubeziehen.
Videofluoroskopische Schluckuntersuchung (VFSS)
Die videofluoroskopische Schluckuntersuchung, auch als Röntgen-Breischluck bezeichnet, ergänzt die Diagnostik in bestimmten Fragestellungen.
Dabei kann der gesamte Schluckvorgang mithilfe einer Röntgendurchleuchtung beurteilt werden.
Diese Untersuchung ermöglicht unter anderem Aussagen über:
- den Transport verschiedener Nahrungskonsistenzen,
- Bewegungsabläufe während des Schluckens,
- Schluckrückstände,
- das Eindringen von Nahrung oder Flüssigkeit in die Atemwege,
- die Wirksamkeit verschiedener Schlucktechniken oder Haltungsänderungen.
Auch diese Befunde beziehen wir selbstverständlich in unsere Therapieplanung ein.
Unsere Zusammenarbeit endet nicht mit der Diagnostik
Bei vielen Patientinnen und Patienten liefern apparative Untersuchungen wichtige zusätzliche Informationen über den Schluckvorgang.
Je nach Fragestellung können hierzu beispielsweise eine fiberendoskopische Evaluation des Schluckens (FEES) oder eine videofluoroskopische Schluckuntersuchung (VFSS / Röntgen-Breischluck) gehören.
Wenn dies gewünscht oder therapeutisch sinnvoll ist, begleiten wir unsere Patientinnen und Patienten zu diesen Untersuchungen – unabhängig davon, ob sie im Krankenhaus oder in einer niedergelassenen Facharztpraxis stattfinden.
Die persönliche Begleitung ermöglicht es uns,
- den Untersuchungsverlauf unmittelbar mitzuverfolgen,
- die Untersuchungsergebnisse gemeinsam mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten zu besprechen,
- Rückfragen direkt zu klären,
- therapeutische Empfehlungen unmittelbar in die weitere Behandlung zu übernehmen und
- den Übergang zwischen Diagnostik und Therapie möglichst nahtlos zu gestalten.
Diese enge Zusammenarbeit trägt dazu bei, dass diagnostische Erkenntnisse ohne Zeitverlust in die logopädische Therapie einfließen können.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Eine hochwertige Versorgung von Menschen mit Schluckstörungen gelingt aus unserer Sicht dann besonders gut, wenn alle beteiligten Berufsgruppen eng zusammenarbeiten.
Deshalb pflegen wir einen regelmäßigen fachlichen Austausch mit den behandelnden
- Neurologinnen und Neurologen,
- Hals-Nasen-Ohren-Ärztinnen und -Ärzten,
- Hausärztinnen und Hausärzten,
- Kieferorthopädinnen und Kieferorthopäden,
- Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten,
- Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten,
- Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten,
- Pflegefachpersonen
- sowie weiteren medizinischen Einrichtungen.
Darüber hinaus besteht eine Kooperation mit dem Krankenhaus Martha-Maria St. Theresien Nürnberg.
Je nach Fragestellung stimmen wir Diagnostik, Therapieziele und den weiteren Behandlungsverlauf gemeinsam ab, damit unsere Patientinnen und Patienten von einer möglichst gut vernetzten Versorgung profitieren.
Therapie bei Schluckstörungen (Dysphagie)
Jede Schluckstörung ist so individuell wie der Mensch, der von ihr betroffen ist. Deshalb gibt es keine Standardtherapie, die für alle gleichermaßen geeignet ist.
Unsere Behandlung orientiert sich an den Ergebnissen der Diagnostik, den ärztlichen Befunden sowie den persönlichen Zielen und Bedürfnissen unserer Patientinnen und Patienten. Gemeinsam entwickeln wir einen Therapieplan, der regelmäßig überprüft und an den Therapieverlauf angepasst wird.
Dabei steht für uns nicht nur die Verbesserung einzelner Funktionen im Mittelpunkt. Unser Ziel ist es, eine möglichst sichere, effiziente und alltagsnahe Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme zu unterstützen und die Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten zu erhalten oder zu verbessern.
Welche Ziele verfolgt die Schlucktherapie?
Die Therapieziele unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Je nach Ursache und Ausprägung der Schluckstörung können unterschiedliche Schwerpunkte im Vordergrund stehen.
Mögliche Therapieziele sind beispielsweise:
- Verbesserung der Schlucksicherheit,
- Verringerung des Aspirationsrisikos,
- Erleichterung der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme,
- Förderung der Beweglichkeit und Koordination der am Schlucken beteiligten Muskulatur,
- Erhalt vorhandener Fähigkeiten,
- Wiedererlangen möglichst selbstständiger Nahrungsaufnahme,
- Verbesserung der Lebensqualität,
- Beratung und Anleitung von Angehörigen und Pflegepersonen.
Nicht jedes Therapieziel ist für jede Person gleichermaßen relevant. Gemeinsam legen wir fest, welche Ziele im individuellen Fall sinnvoll und realistisch sind.
Individuelle Therapie statt Standardprogramm
Jeder Mensch bringt unterschiedliche Voraussetzungen mit.
Deshalb berücksichtigen wir unter anderem:
- die Grunderkrankung,
- das Alter,
- Begleiterkrankungen,
- die aktuelle Ernährungssituation,
- vorhandene Ressourcen,
- persönliche Wünsche,
- das häusliche Umfeld,
- pflegerische Rahmenbedingungen.
Diese ganzheitliche Betrachtung ermöglicht eine Therapie, die sich an Ihrem Alltag orientiert.
Evidenzbasierte Therapie
Unsere therapeutische Arbeit orientiert sich an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie an etablierten diagnostischen und therapeutischen Verfahren der neurologischen Logopädie.
Gleichzeitig wissen wir, dass wissenschaftliche Erkenntnisse immer auf die individuelle Situation eines Menschen übertragen werden müssen. Deshalb verbinden wir evidenzbasierte Therapie mit unserer praktischen Erfahrung und einer sorgfältigen Betrachtung Ihrer persönlichen Lebenssituation.
Essen und Trinken sollen möglichst sicher bleiben
Für viele Menschen bedeutet Essen weit mehr als die reine Nahrungsaufnahme.
Mahlzeiten sind Begegnung, Genuss und ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens.
Deshalb verfolgen wir das Ziel, eine möglichst sichere und gleichzeitig alltagsnahe Ernährung zu ermöglichen.
Je nach individueller Situation beraten wir unter anderem zu:
- geeigneten Nahrungskonsistenzen,
- Flüssigkeitskonsistenzen,
- Ess- und Trinkpositionen,
- Schluckstrategien,
- Hilfsmitteln,
- Essenssituationen im häuslichen Umfeld,
- besonderen Anforderungen in Pflegeeinrichtungen.
Dabei orientieren wir uns stets an den ärztlichen Empfehlungen und den Ergebnissen der Diagnostik.
Verlaufskontrollen
Eine Schluckstörung kann sich im Verlauf verändern.
Deshalb überprüfen wir regelmäßig den Therapieverlauf.
Dabei beurteilen wir unter anderem:
- Veränderungen der Schluckfunktion,
- Erreichen der gemeinsam vereinbarten Therapieziele,
- Veränderungen im Ess- und Trinkverhalten,
- neue Beschwerden,
- aktuelle ärztliche Befunde,
- Ergebnisse apparativer Diagnostik.
Falls erforderlich, passen wir die Therapieziele gemeinsam mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten an.
Trachealkanülenmanagement
Ein besonderer Schwerpunkt unserer Praxis ist die logopädische Begleitung von Menschen mit Trachealkanülen.
Durch regelmäßige Fortbildungen verfügen wir über fundierte Kenntnisse im Bereich des Trachealkanülenmanagements.
Je nach individueller Fragestellung unterstützen wir unter anderem bei:
- der Einschätzung der Schluckfunktion,
- der Beurteilung möglicher Aspirationsrisiken,
- der Beratung von Angehörigen und Pflegepersonen,
- der therapeutischen Begleitung im interdisziplinären Team,
- der Einordnung diagnostischer Befunde,
- der Förderung der Kommunikation.
Die Behandlung erfolgt dabei stets in enger Abstimmung mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten sowie den weiteren beteiligten Berufsgruppen.
Beratung von Angehörigen
Eine Schluckstörung betrifft häufig die gesamte Familie.
Viele Angehörige sorgen sich, wenn Essen oder Trinken plötzlich schwierig wird oder Unsicherheit bezüglich der richtigen Ernährung besteht.
Deshalb verstehen wir die Beratung von Angehörigen als wichtigen Bestandteil der Therapie.
Gemeinsam besprechen wir unter anderem:
- wie Mahlzeiten sicher gestaltet werden können,
- worauf beim Essen und Trinken geachtet werden sollte,
- welche Warnzeichen beachtet werden müssen,
- wie therapeutische Empfehlungen im Alltag umgesetzt werden können,
- welche Fragen im häuslichen Umfeld entstehen.
Auf Wunsch beziehen wir Angehörige aktiv in die Therapie ein und entwickeln gemeinsam alltagstaugliche Lösungen.
Zusammenarbeit mit Pflegeeinrichtungen
Viele Menschen mit Schluckstörungen werden zusätzlich durch ambulante Pflegedienste oder stationäre Pflegeeinrichtungen betreut.
Eine gute Versorgung gelingt besonders dann, wenn alle Beteiligten eng zusammenarbeiten.
Deshalb stimmen wir unsere therapeutischen Empfehlungen – selbstverständlich mit Einverständnis der Patientin oder des Patienten – mit den beteiligten Berufsgruppen ab.
Hierzu gehören unter anderem:
- Pflegefachpersonen,
- Ärztinnen und Ärzte,
- Ergotherapie,
- Physiotherapie,
- Ernährungsberatung,
- Angehörige.
Unser Ziel ist eine möglichst einheitliche Vorgehensweise, damit therapeutische Empfehlungen auch im Alltag sicher umgesetzt werden können.
Überleitung vom Krankenhaus nach Hause
Gerade nach einem Krankenhaus- oder Rehabilitationsaufenthalt stehen viele Betroffene und Angehörige vor neuen Herausforderungen. Therapieempfehlungen müssen in den Alltag übertragen, Kostformen eingehalten und weitere Behandlungen organisiert werden.
Wir unterstützen Sie dabei, den Übergang in die ambulante Versorgung möglichst reibungslos zu gestalten. Dazu gehören – je nach individueller Situation – die Einordnung vorhandener Befunde, die Abstimmung mit den weiterbehandelnden Ärztinnen und Ärzten sowie die Fortführung der logopädischen Therapie auf Grundlage der bisherigen Diagnostik und der aktuellen Bedürfnisse.
Essen bedeutet mehr als Nahrungsaufnahme
Für viele Menschen ist Essen weit mehr als die Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit. Mahlzeiten bedeuten Genuss, Gemeinschaft und Lebensqualität. Gemeinsame Essen mit der Familie, ein Restaurantbesuch oder eine Einladung bei Freunden gehören für viele selbstverständlich zum Alltag.
Eine Schluckstörung kann diese Selbstverständlichkeit verändern. Aus Angst vor dem Verschlucken oder aus Unsicherheit meiden manche Betroffene bestimmte Lebensmittel oder essen nur noch in vertrauter Umgebung. Nicht selten ziehen sie sich aus dem sozialen Leben zurück.
Deshalb verfolgen wir in der logopädischen Therapie nicht ausschließlich das Ziel, einzelne Funktionen zu verbessern. Uns ist ebenso wichtig, Menschen dabei zu unterstützen, wieder möglichst sicher und selbstbestimmt am Alltag teilnehmen zu können.
Was können Betroffene selbst tun?
Nicht jede Schluckstörung lässt sich durch eigenes Üben beeinflussen. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt immer von der Ursache und der individuellen Diagnostik ab.
Bitte beginnen Sie deshalb keine Schluckübungen in Eigenregie, ohne dass zuvor eine ärztliche und logopädische Abklärung erfolgt ist. Nicht jede Übung ist für jede Schluckstörung geeignet. In manchen Fällen können ungeeignete Maßnahmen das Aspirationsrisiko sogar erhöhen.
Im Rahmen der Therapie erhalten Sie individuell auf Ihre Situation abgestimmte Empfehlungen und – sofern sinnvoll – Übungen, die Sie sicher zu Hause durchführen können.
Darüber hinaus können bereits kleine Veränderungen den Alltag erleichtern, beispielsweise:
- ausreichend Zeit für Mahlzeiten einplanen,
- Mahlzeiten möglichst ohne Zeitdruck einnehmen,
- Ablenkungen wie Fernseher oder Smartphone während des Essens vermeiden,
- auf eine aufrechte Sitzposition achten,
- empfohlene Nahrungskonsistenzen einhalten,
- bei Unsicherheiten Rücksprache mit Ihrer behandelnden Logopädin oder Ihrem behandelnden Logopäden halten.
Tipps für Angehörige
Angehörige erleben häufig mit, wie belastend eine Schluckstörung für die betroffene Person sein kann. Viele möchten unterstützen, sind jedoch unsicher, wie sie im Alltag am besten helfen können.
Wir beraten Angehörige deshalb umfassend und beziehen sie – sofern dies gewünscht ist – aktiv in die Therapie ein.
Hilfreich kann unter anderem sein:
- ausreichend Zeit für Mahlzeiten einzuplanen,
- eine ruhige Essenssituation zu schaffen,
- die empfohlenen Nahrungskonsistenzen einzuhalten,
- auf Anzeichen von Husten oder Verschlucken zu achten,
- therapeutische Empfehlungen im Alltag umzusetzen,
- Veränderungen frühzeitig mit den behandelnden Fachpersonen zu besprechen.
Jede Schluckstörung verläuft individuell. Deshalb erhalten Angehörige von uns konkrete Empfehlungen, die auf die persönliche Situation abgestimmt sind.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich mich bei jeder Schluckstörung verschlucken?
Nein. Schluckstörungen können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche Menschen verschlucken sich häufig, andere bemerken vor allem das Gefühl, dass Nahrung im Hals stecken bleibt oder das Schlucken mehr Kraft kostet.
Bedeutet Husten beim Essen immer eine Schluckstörung?
Nicht unbedingt. Wiederholtes Husten oder Räuspern während der Mahlzeiten sollte jedoch ärztlich und logopädisch abgeklärt werden, insbesondere wenn zusätzlich neurologische Erkrankungen bestehen oder weitere Beschwerden auftreten.
Kann eine Schluckstörung wieder besser werden?
Das hängt von der Ursache der Schluckstörung sowie von vielen weiteren Faktoren ab. Im Rahmen einer individuell abgestimmten logopädischen Therapie können häufig Funktionen verbessert oder Strategien entwickelt werden, die eine sichere Nahrungsaufnahme unterstützen.
Muss ich meine Ernährung dauerhaft umstellen?
Nicht unbedingt. Ob und in welchem Umfang Anpassungen der Nahrung oder Getränke erforderlich sind, richtet sich nach den Ergebnissen der Diagnostik und dem Therapieverlauf. Ziel ist immer, die Ernährung so wenig wie nötig und so viel wie erforderlich anzupassen.
Wer verordnet Logopädie bei Schluckstörungen?
Logopädie kann unter anderem von Hausärztinnen und Hausärzten, Neurologinnen und Neurologen, HNO-Ärztinnen und HNO-Ärzten oder weiteren entsprechend berechtigten Ärztinnen und Ärzten verordnet werden. Welche Verordnung im Einzelfall möglich ist, richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung und den geltenden Heilmittel-Richtlinien.
Kann ich auch mit einer Trachealkanüle logopädisch behandelt werden?
Ja. Die logopädische Begleitung von Menschen mit Trachealkanüle gehört zu den Schwerpunkten unserer Praxis. Dabei arbeiten wir eng mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten sowie den weiteren beteiligten Berufsgruppen zusammen. Ziel ist es, die Schluckfunktion und die Kommunikationsmöglichkeiten individuell zu beurteilen und die weitere Versorgung gemeinsam zu planen.
Begleiten Sie mich auch zu Untersuchungen?
Ja. Wenn es therapeutisch sinnvoll und von Ihnen gewünscht ist, begleiten wir Sie zu apparativen Schluckuntersuchungen wie einer FEES oder einer videofluoroskopischen Schluckuntersuchung (VFSS). Dies ist sowohl bei niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzten als auch in Kliniken möglich. Der direkte fachliche Austausch erleichtert die gemeinsame Therapieplanung.
Unser Qualitätsversprechen
Die Behandlung von Schluckstörungen erfordert Erfahrung, Fachwissen und eine enge Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen.
Deshalb legen wir besonderen Wert auf:
- eine sorgfältige und individuelle Diagnostik,
- evidenzbasierte Therapie auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse,
- regelmäßige Fort- und Weiterbildungen unseres Teams,
- eine ganzheitliche Betrachtung des Menschen und seiner Lebenssituation,
- die enge Zusammenarbeit mit behandelnden Ärztinnen und Ärzten sowie weiteren therapeutischen Fachrichtungen,
- die aktive Einbeziehung von Angehörigen,
- die Begleitung bei diagnostischen Untersuchungen und wichtigen Versorgungsschritten, wenn dies gewünscht und sinnvoll ist.
Unsere Praxis begleitet Menschen mit Schluckstörungen vom ersten Beratungsgespräch über die Diagnostik und Therapie bis hin zur interdisziplinären Abstimmung mit allen an der Behandlung beteiligten Fachpersonen.
Quellen und fachliche Grundlagen
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine ärztliche Untersuchung oder individuelle therapeutische Beratung.
Unsere Inhalte orientieren sich unter anderem an:
- den aktuellen Heilmittel-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA),
- den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN),
- den Empfehlungen der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG),
- den Leitlinien und wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Diagnostik und Therapie von Dysphagien,
- aktueller logopädischer Fachliteratur und evidenzbasierten Therapieempfehlungen.
Wir überprüfen unsere Inhalte regelmäßig und passen sie an neue wissenschaftliche Erkenntnisse an.
Stottern bei Erwachsenen
Beim Stottern handelt es sich um Unterbrechungen des Redeflusses in Form von Blockaden, Wiederholungen oder Dehnungen von Silben und Wörtern. Meist ist das Sprechen mit großer Anstrengung, vielfach mit Verkrampfungen des Gesichts oder Bewegungen von Kopf, Armen und Oberkörper verbunden.
Im Moment der „Blockade“ weiß der Stotternde genau, was er sagen möchte, ist aber nicht fähig, es fließend zu artikulieren. Angst vor der Blockade und der Versuch, das Stottern zu vermeiden, führen nicht selten in einen Teufelskreis, der schwer wieder durchbrochen werden kann. Eine erfolgreiche Behandlung dieses Phänomens ist nicht einfach aber in vielen Fällen möglich.
Die Therapie muss dabei sehr individuell auf die Probleme und die Persönlichkeit der Betroffenen abgestimmt werden. Das Ergebnisspektrum ist dennoch groß, es reicht von wenig erfolgreich über verbessert bis hin zu weitgehender oder völliger Kontrolle des Stotterns.
Poltern
Poltern ist eine Störung des Redeflusses. Es bedeutet eine unregelmäßige, zu schnelle Sprechweise, die Laut- und Silbenverschmelzungen, Verschlucken von Lauten, Silben und Wörtern sowie einen erhöhten Anteil an Füllwörtern und Satzumstellungen beinhalten kann. Poltern geht nicht selten einher mit Konzentrationsproblemen, leichter Ablenkbarkeit oder Hyperaktivität.
Im Gegensatz zum Stottern ist hier in der Regel keine Sprechanstrengung vorhanden. In der Behandlung müssen die Symptome bewusst gemacht und der Sprechablauf durch Selbstkontrolle und Training verändert werden.
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